Kitzelfolter – Hochgenuss: Die Lust zu Kitzeln und gekitzelt zu werden

Schon als Kind habe ich es geliebt… das „gekitzelt werden“. Ausgekitzelt zu werden hat mich von jeher verzückt und mir großes Wohlbehagen und gründliche Kontrollverluste beschert.

Ich weiß noch genau, wie meine Oma, die ihrer Lieblingsenkelin nichts abschlagen wollte oder konnte mich stundenlang am Rücken kitzelte. Es waren sanfte Berührungen,  die mich aber in schlimmste Aufruhr versetzten. War ich richtig drin, dann war keine Berührung mehr möglich, ohne dass ich schier kollabierte. Zentimeter bevor der Finger mich berührte, zuckte ich schon und gurrte verzückt.

Ich bin so empfindlich am Rücken und an anderen Stellen – die ich nicht verrate, denn nun ja  vielleicht möchte das noch jemand herausfinden, dass noch stunden-, ja tagelang eine große Sensibilität bleibt. Es ist eine Tortur, die nicht selten dazu führt, dass ich in Tränen aufgelöst bin, aber sie schafft auch eine große Nähe.

Mir war damals nicht klar, dass mich dieser Fetisch ein ganzes Leben begleiten wird und mir war auch nicht klar, dass ich es sogar einmal als sexuelle Dienstleistung anbieten würde. Es sind Sessions, die meist länger sind als die übliche Stunde. Es sind Sessions, die enormen Rapport und Resonanz erzeugen. Ich gehe an mein Limit und ich fordere auch von meinen Mitspieler*innen, dass sie an ihre Grenzen gehen. Kitzeln ist eine Strategie von Zwang,  Kontrolle, Selbstaufgabe und Auflösen im Fühlen, im Hier & Jetzt. Es sind manchmal die zarten Berührungen, die großes Echo auslösen und manchmal ist es das krude Wühlen im anderen Körper, das Ertasten des Rippenbogen, der Lymphe, jedes Zucken ist ein Roman von Widerstand und Kapitulation. Man kann auch äußerst intim kitzeln.

Ich komponiere in meinen Kitzelsessions komplexe Erfahrungen, suche mit Bedacht Musik zwischen  Sphäre und Alternative-Rock aus, lasse atmen und kombiniere Kitzeln auf Wunsch mit Bastonade, Spanking und Ringen, genauso wie Atemkontrolle und strenger Restriktion und natürlich mit Fußerotik.

Manchmal reichen 2 Hände nicht, dann sollen es 2 Paar sein, oder sogar mehr? Gern offeriere ich Sessions im Doppel, erbarmungslos und einfühlsam, ganz nach Gusto. Es ist mir eine absolute und umfassende Freude, Dich in meinen Händen zu wissen und mich in Deine zu begeben.

Ich liege nach so einer mehrstündigen Kitzelei gern in der Badewanne und lausche dem Adrenalin das nur langsam abebbt. Meine Kreativität ist in solchen Momenten wach und fokussiert, doch der Körper ist schwer und ausgelaugt.

Der Subspace beim Kitzeln ist der Moment in dem Du aufhörst darüber zu grübeln, wieso diese Stelle mehr kitzelt als eine andere, wieso, warum, weshalb. Es ist der Augenblick indem Du vollkommen im Jetzt bist, zappelst und nach Atem ringst. Wo Dein Körper sich in  Kaskaden des Lachens, Gurrens, Kicherns und Nervenkitzels aufbäumt, gegen die Fesseln rebelliert und doch irgendwann aufgibt. Es gibt in diesem besonderen Moment kein Gestern & kein Morgen – nur Kontrollverlust. Es passiert, dass ich mich in solchen Momenten um Kopf und Kragen rede, Versprechungen mache, Wetten verliere und am Ende zur genussvollen Rechenschaft gezogen werde. Oder aber Deinen Kopf ganz nah an meine Füße ziehe und Dir zuflüsterte, dass Du jetzt entweder sehr gut an meinen Zehen lutschen wirst… oder ich kein Erbarmen beim Kitzeln zeigen werde.

Welche politische Strategie wahrt die Rechte von Sexarbeiter*innen angesichts drohender Freierkriminalisierung?

Eine Polemik zu Beschwichtigung und der Illusion von demokratischer Beteiligung

oder

Welche politische Strategie wahrt die Rechte von Sexarbeiter*innen angesichts drohender Freierkriminalisierung?

 

Am 07.11. fand in der Landesvertretung Hamburg ein Fachtag mit dem Bandwurmtitel statt:

„Sexarbeit und Menschenhandel im Spannungsverhältnis zwischen Regulation und Abolitionismus – im Spiegel des ProstSchG und Nordischem Modell.“

Nach der Einberufung des interfraktionellen Arbeitskreises „Prostitution – wohin?“ von CDU/CSU und der SPD wollte der Fachtag am 07.11. informieren und bot sehr interessante Vorträge, zum Beispiel von Christine Nagl und Susanne Dodillet, die sich beide kritisch mit dem Sexkaufverbot auseinandersetzen.

Auch wenn ich mich in diesem Text kritisch mit dem Zweck solcher Veranstaltungen befasse, möchte ich trotzdem für die Inputs danken und die guten Absichten würdigen, die mit am Werke waren.

Nach dem Fachtag zu Sexarbeit war ich ziemlich erschöpft und habe mich gefragt, woran das lag?
Einerseits an der Tristesse des praktizierten Sexkaufverbots mit großen Nachteilen für Sexarbeiter*innen in diesen Ländern. Christine Nagl hat sehr anschaulich illustriert, welche schlimmen Folgen Freierkriminalisierung in Irland, Schweden, Norwegen und Frankreich für Kolleg*innen hat und wie sehr diese Gesetzgebung dazu instrumentalisiert wird, unliebsame Migration durch Abschiebungen zu bekämpfen. Die Hybris bei der Behauptung, in diesen Fällen läge Menschenhandel vor, zeigt sich an dem Fakt, dass für die Abgeschobenen (in diesem Fall am Beispiel Österreich) keinerlei Opferschutz oder Fürsorge getroffen wird. Das Diktum des Menschenhandels endet an der Grenze, man schickt sogar Informationen ins Heimatland der Sexarbeiter*in um dort ihre Umerziehung zu fördern. Was das in Ländern wie China bedeuten kann, bedarf keiner großen Fantasie. Ich möchte aber gar nicht so sehr berichten, was der Inhalt der Vorträge war. Auf Twitter (@KF_SW_aktivism) habe ich das live so gut es ging dokumentiert. Außerdem werden die Inhalte wohl in den kommenden Wochen online gestellt.

Andererseits ließ sich meine Müdigkeit wohl auf die Dumpfheit zurückführen, die die Einsicht
begleitet, dass die Freierkriminalisierung Meinungsmache ist. Dies geben sogar offizielle Stellen zu: Es geht explizit darum, dass das konsensuelle Anbieten einer sexuellen Dienstleistung nicht moralisch tolerierbar ist.

Meinungsmache statt Fakten

Fakt ist, dass sich Politiker*innen in den Ländern mit Sexkaufverbot, sich auf einen Wertekanon berufen und mit mit ihrem Tun die Grundrechte freie Berufswahl und Würde, sowie Selbstbestimmung von Sexarbeitenden angreifen. Mich alarmiert in höchstem Maße, dass die Politiker*innen sich zu den Erfüllungsgehilfen einer wertekonservativen und sehr normativen Ethik machen, die Sexualdisziplinierung ausübt und nicht symmetrische Formen von Sexualität diskriminiert.

Nun richtete sich der Fachtag vom 07.11. ja an Politiker*innen, die sich eine Meinung zum Sexkaufverbot bilden wollen/sollen. Die Faktenlage zum Sexkaufverbot und die schlimmen Angriffe auf die Menschenrechte von Sexarbeitenden (zum Beispiel Kindesentzug, Strafen gegen sog. Profiteure der Sexarbeit, auch Eltern und Kinder) ist eindeutig. Wer nach solchen Vorträgen noch überlegen muss, ob er für oder gegen ein Sexkaufverbot in Deutschland ist, hat in meinen Augen den Schuss nicht gehört. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Dennoch gab es genug Fragen aus dem Auditorium, die tief blicken ließen.
Offen elitäre Äußerungen wie der Ruf nach sozialer Kontrolle, Gentrifizierung sowie eine Ausrichtung auf die gehobene Mittelklasse (möchte man in St. Georg eine Kanzlei eröffnen?) machen klipp und klar, dass die geladenen Politiker*innen nicht aufgrund der Faktenlage entscheiden werden.
Es geht wie in anderen politischen Fragen in unserer Gesellschaft um Machbarkeit, Anpassung und Opportunismus.

Wir Sexarbeitende sind in der Regel nicht Teil der Klientel von Politiker*innen, es gibt nichts zu gewinnen, wenn man sich für sie einsetzt, aber für die Karriere viel zu verlieren, wenn man sich dieses Thema vornimmt. Überhaupt ist es mühsam, abzuwägen und sich zu informieren. Christine Nagl brachte es auf den Punkt: „Es ist einfacher zu regulieren, als zu differenzieren“.

Basisarbeit und Netzwerk für die Verteidigung demokratischer Rechte

Mit ein paar Tagen Abstand haben sich zwei nagende Gefühle bei mir eingestellt: Frustration und große Besorgnis, verbunden mit einer eindringlichen Warnung.

Die Frustration liegt darin begründet, dass ich keinerlei demokratische Beteiligung von Sexarbeitenden ablesen kann. Über unseren Kopf hinweg wurde bereits das ProstSchG verhängt und die Angriffe auf unsere demokratischen Rechte gehen munter weiter. Es ist und bleibt aber die wichtigste politische Forderung unsere demokratischen Rechte zu verteigen: denn:

Sexarbeiter*innenrechte sind Menschenrechte

Fallen solche Rechte, wie  in Deutschland seit 2017unter den Tisch, werden die Folgen davon alle zu spüren bekommen. Wir Huren sind nur neben Migrant*innen die Ersten. Und darauf gilt es immer wieder hinzuweisen.

Das Kalkül der Beschwichtigung

Die Besorgnis beruht auf Folgendem: Solche Veranstaltungen, wie der Fachtag vom 7.11., haben in meinen Augen vor allem einen Zweck: Es geht um Beschwichtigung und um die Illusion von Meinungsbildung und Einbindung in den demokratischen Prozess. Es wird später, übrigens genauso wie beim ProstSchG heißen, es haben doch Gespräche stattgefunden, die Sexarbeitenden sind doch gehört worden. Man habe leider anders entscheiden müssen.

Deswegen möchte ich aus meiner Sicht der Aktivistin und Sexarbeiterin davor warnen, die Strategie der Einflussnahme auf Politiker*innen weiter mit großer Priorität zu verfolgen. Sie reicht nicht aus und bindet Energien, die für Basisarbeit und Vernetzung essentiell sind. Es müssen eigene Kanäle aufgebaut werden, eigene Themen angeeignet werden und das Thema des Abbaus demokratischer Rechte und die Gefahr für ALLE darin muss in der Gesellschaft ankommen.

Ich höre immer wieder die absolut unkritische Haltung: „Das sind doch nur einige wenige Poltiker*innen, die wirklich für ein Sexkaufverbot sind.“ An solchen Aussagen lässt sich ablesen, dass große Illusionen in die Funktionsweise von Politik in einem ausbeuterischen System herrschen. Die Politiker*innen sind kaum unsere Freund*innen und sie bilden sich auch keine Meinung und bleiben dieser dann treu, wenn sie hoffentlich gegen ein Sexkaufverbot sind. Die Politik bildet die Interessen von wenigen zuungunsten vieler ab. Sozialabbau, Rechtsruck und Einsparungen im Bildungssektor zeichnen ein klares Bild von der politischen Agenda unserer gewählten Vertreter*innen. Aus opportunistischen Beweggründen weichen Parteien nach der Wahl von ihren Wahlversprechen ab, und da geht es um die Interessen vieler und sie kommen damit durch. Woher kommt der Irrglaube, dass es in Bezug auf das Sexkaufverbot anders sein wird?

An Stelle von Top-Down-Veranstaltungen, die sich an Politiker*innen wenden, müssen die Inhalte von Dodillet und Nagl auf ihre gesamtgesellschaftliche Aussage hin untersucht werden.

Wem nützt Sexualdisziplin?

Wem nützt ein normativer Moralkonsens?

Wer verliert und wer gewinnt auf kurze und lange Sicht bei solchen Alibiveranstaltungen und Randthemen wie Sexkaufverbot?

Wie kann man den Angriffen auf demokratische Rechte etwas entgegensetzen?

Erotische Hypnose und anale Massage

Am Sonntag, den 03.11.2019 kannst Du zwei aufregende Damen im Doppelpack erleben. Analmeisterin Bizarrlady Carmen (siehe http://mademoiselleruby.com/friends/) und ich geben uns die Ehre. An diesem Sonntag weilen wir zu zweit im Münchner Studio Unschlagbar „Avantgarde de Sade“ und lassen Dir unsere besondere Mischung aus erotischer Hypnose und analer Massage angedeihen.

Aufgrund der hohen Nachfrage empfehlen wir die frühzeitige Terminabsprache, mindestens jedoch 24h im Voraus. Entweder hier oder bei Bizarrlady Carmen.

Neben der einmaligen Mischung aus erotischer Hypnose und analer Massage bieten wir Dir auch andere Szenarien zu zweit an:

  • Lustobjekt zweier lüsterner Damen
  • Schmerz & Lust
  • Menage a trois (auf Wunsch mit mir passiv)

Die Heilige und die Hure

Neu in Hannover, neu im Sanctum und sehr neugierig

Seit meiner Rückkehr nach Berlin/Brandenburg habe ich nach einem sinnvollen Gastspiel gesucht. Leider ist Karlsruhe aufgrund der schlechten Verbindung und der großen Distanz zu meinem jetzigen Wohnort nicht mehr machbar. Schade, aber ich bin weiterhin in München anzutreffen.

Ich habe schon länger mit Hannover geliebäugelt, bin ich doch auch eine Anhängerin von komplexen Rollenspielen, Inhaftierungen und liebevoll gestalteten Studioräumen.

Als ich dann von der Eröffnung des „THE SANCTUM“ hörte und erfuhr, dass die dort arbeitenden Damen den Titel SAINT führen, war ich gleich ziemlich begeistert. Als ich von dem spannenden Konzept des SOCIAL SANCTUM erfuhr, das Workshops, Kurse und Coaching beinhaltet befeuerte das meine Motivation noch zusätzlich.

Als Bizarrlady mit Schwerpunkt Hypnose, erotischer Ringkampf, Ageplay und Dirty Games bringe ich meine Expertise ab dem 21.11.2019 in diese heiligen Hallen ein. Ein weiterer Termin ist bereits für den 28.11. avisiert und ab Dezember pendeln wir uns dann auf 2-3 Tagestermine im Monat ein.

Gern sind auch Langzeiterziehungen, Dinnertimes oder Workshops/Coachings möglich, allerdings nicht spontan, sondern auf dem üblichen Wegen, wie Em@il, Telefon oder über das Kontaktformular meiner Homepage. Genauso möchte ich die Interessenten darauf hinweisen, dass Outfitwünsche mindestens am Vortag der Anwesenheit anzufragen sind.

Noch ein Wort in einer Sache.

Mademoiselle Ruby hat auch eine passive Seite und ja, sie switcht auch. Allerdings bewerbe ich diesen Aspekt von mir nicht eigens, da der falsche Eindruck entsteht, ich würde all die Aspekte die mich als vornehmlich dominant agierende Bizarrlady ausmachen mit einem Wimpernschlag ablegen. Nein, das ist nicht so. Bei mir verdienst Du Dir Deine Dominanz und (in Grenzen) Deinen Sadismus durch Erfahrenheit, Einfühlsamkeit und Kommunikation. In den wenigsten Fällen werden wir zusammenkommen, wenn Du ein Telefongespräch z.B. mit diesen Worten einleitest:

„Du bist auch Sklavin?“ Nein, bin ich nicht.

Ich kann zwar tief in dieses Spiel einsteigen, aber alle Ansprüche, die ich an mich in der dominanten Rolle lege, kommen nun auf Dich zu. Inklusive eines Aufschlags im Honorar, wenn Du mich passiv erleben möchtest. Und die Tabus, die ich ja sorgfältig darlege, gelten natürlich auch für meine passive Seite.

„Aber als Sklavin bieten Sie doch sicher Verkehr an?“ Nein, das tue ich nicht. Deswegen wird unser Spiel nicht weniger reizvoll.

Zu haben bin ich jederzeit für Rollenwechsel/Kitzelfolter/nahbare Spiele/Bodyworship.

Sehr gern bin ich je nach Rahmen die Heilige, die Hure, und meistens beides.

Ich freue mich auf Deinen Besuch im SANCTUM.

 

Urlaub – kommt von Erlauben

Urlaub – Kommt von erlauben
(mittelhochdeutsch urloup – Erlaubnis weg zu gehen)

Es fällt mir gar nicht so leicht, in den Urlaub zu gehen. Erst freue ich mich Wochen darauf, dann rückt das Datum näher und ich fange an zu rotieren, MUSS ich gerade JETZT wirklich fahren, KANN ich gerade jetzt wirklich fahren? Oder SOLLTE ich es nicht doch noch kurzfristig absagen?
Früher, als ich noch angestellt war, konnte ich es kaum erwarten, obwohl danach sich der Berg der Arbeit meist noch höher auftürmte als vor dem Urlaub. Jetzt hat sich einiges geändert…

Die Arbeit ist besser bezahlt und zeitlich deutlich weniger umfangreich als noch zur Vollzeit-Abhängig-Beschäftigung. Sie macht mir Spaß und erlaubt mir andere Projekte zu verfolgen. Ich habe mehr Zeit für mein Pferd und meine Katzen, für politische Arbeit, für Freundschaften und Beziehungen. Der Druck (da meldet sich das Pflichtbewusstsein) Urlaub zu machen hat also deutlich nachgelassen und die viel beschworene Work-Life-Balance ist besser geworden.
„Warum dann Urlaub?“ fragt das routineliebende Vogelsträusschen in mir. „Kopf in den Sand und weiter wie bisher!“
„Und überhaupt, Urlaub für 8 Tage? Das lohnt sich doch gar nicht!“ Sagt die vielgereiste Langzeittravellerin. „Alles unter 3 Wochen ist doch eh sinnlos.“
„Und dann allein?“ beschwert sich die auf Harmonie gebürstete Frau, die es satt hat mitleidig und irritiert in Bars und Restaurants begrüßt zu werden. Warum allein ist hier die unausgesprochene Frage. Ein Mann allein ist meist besser akzeptiert als eine Frau allein.

Und dann ist es soweit. Der Tag ist da, es geht los. Bis ich den Koffer in die Hand nehme ich aus meiner Wohnungstür trete ist dieser Moment für mich stets unwirklich und weit weg. Bin ich dann unterwegs fühlt es sich… gut… an. Ich genieße schon die Anfahrt zum Bahnhof oder zum Flughafen. Keine alltäglichen Verpflichtungen. Wenn es später wird, egal. Niemand wartet auf mich. Ich genieße es gelassen bleiben zu können, weil ich schon viel unterwegs war und mir sage, ich bin zwar spät dran, aber es hängt nichts davon ab. Ich genieße es, keinen festen Plan zu haben, sondern die Dinge auf mich zukommen lassen zu können.
Im Urlaub ist es dann auch ein Auf und Ab. Meine Routine im Alltag einen ziemlich festen Zeitplan zu haben um Allem und Allen gerecht zu werden, macht sich auch dann bemerkbar, wenn sie eigentlich deutlich auf die Pausenbank verwiesen wurde.
Gelingt es mir, nicht in Rotieren zu kommen, entstehen kreative Bubbles aus denen ich Lust bekomme, was zu schreiben, auf andere Gedanken komme, gute Einfälle habe. Urlaub war für mich noch nie faul am Strand liegen. Ich mag aktiv sein, wandern, mich weiterbilden, lesen, etwas recherchieren. Ich habe dann Zeit für Dinge, die sonst zu kurz kommen.
Auch wenn ich manchmal fast das Gefühl habe, mich dafür rechtfertigen zu müssen, ich bin auch gern -mal- allein. Andere Menschen bringen immer zu Recht auch ihre Themen mit und ich bin in dieser Hinsicht wie ein Schwamm. Ich sauge ihre Bedürfnisse und Wünsche auf und wenn der Schwamm voll ist, dann habe ich wenig für mich selbst aufgesogen. Das ist nicht der Fehler der anderen, aber es fällt mir schwer, darauf zu achten und eine gute Balance zu finden.
Es ist alles gut, wenn ich im Jetzt ankomme. Das ist ja nicht wie ein Kippschalter, sondern das sind Momente. Wenn ich den donnernden Wellen am Atlantik lausche, wenn mich die Farben der Klippen faszinieren, wenn ich die duftende Luft einatmen und an NICHTS anderes denken kann. Wenn ich durch einen Pinienwald laufe und sich über mir eine grüne Kuppel erstreckt, wenn ich bei meiner reiterlichen Fortbildung spüre, da waren das Pferd und ich ganz miteinander, wenn ich mit einer Tasse Kaffee im Bett den Laptop auf den Beinen balanciere und endlich die Texte schreibe , die ich schon lange schreiben möchte. Wenn ich es genieße unterwegs zu sein und keine Agenda habe, sondern es mal laufen lasse.
Erlauben – Urlauben.
Die Antworten lauten:
Urlaub, weil:
Auch eine angenehme Routine eine Routine ist und gewisse Gedanken schwerer denkbar sind wenn man funktioniert.
Auch 8 Tage eine valide Zeit sind und wer stellt eigentlich diese BESCHEUERTEN Regeln von 3 Wochen auf?!
Es mir f*cking egal sein kann ob Leute denken eine Frau ist nur vollständig in Gesellschaft oder dass es Verschwendung sei, diese Zeit allein zu verbringen. Es tut mir gut und die Leute dürfen ihre Vorurteile behalten.
Ciao Vogelsträusschen,
Ciao Langzeittraveller*in und
Ciao Menschen, die das Bedürfnis einer Frau allein sein zu wollen, nicht verstehen können oder wollen
– denn ich bin… im Urlaub.

RED UMBRELLA STRUGGLES

Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg
Noch bis 23.6.19

Vor einigen Monaten las ich im Forum des Berufsverbandes eine Anfrage, wo nach einer Referent*in gesucht wurde, die anlässlich einer Gruppenausstellung mit internationaler Beteiligung bereit wäre, einen Input zum Thema Sexarbeit zu geben.

Nach einem total interessanten Telefonat mit Herrn Blum, der für die Städtischen Museen in Oldenburg tätig ist, entschied ich mich dazu, teilzunehmen.

Ich hatte nur sehr nebelhafte Vorstellungen davon, was mich erwarten würde. Medienkunst, Installationen, kollaborative Arbeitsweise, die Verbindung von Sexarbeit und Kunst, das klang alles irgendwie spannend, mir fehlte aber komplett eine Idee, wie das gelingen könnte und ja, ich war auch skeptisch, ob das irgendwie hochtrabend oder überkandidelt sein würde.

Als ich gestern die Ausstellung vor der Veranstaltung besuchte, kam es ganz anders. Die Ausstellung macht mich stolz, stolz auf meine Arbeit, stolz auf die Hurenbewegung und stolz auf die Künstler*innen, die sich getraut haben, mal genauer hinzuschauen.

Die Arbeiten sind meist Kollaborationen zwischen SexWorkern und Künstler*innen. Petra Bauer, die Stipendiatin des Edith-Russ-Haus für Mendienkunst ist, hat mit SCOT-PEP, der schottischen Sexworkergewerkschaft eine Installation geschaffen. Über zwei Leinwänden hängt das wunderbare Banner von SCOT-PEP, also direkt vor der Nase von jedem Besucher der Ausstellung.

Das Banner ruft zur Einheit der SexWorker auf. Petra Bauer hat zwei Leinwände dazu gruppiert, auf der einen wird historisches Filmmaterial gezeigt: zum einen die Besetzung der Kirche 1975 in Lyon von 200 Sexarbeiterinnen von Carole Roussopoulos mit Les Prostituées de Lyon Parlent sowie der Film von Chantal Akermans Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles, die die Sexarbeiterin Jeanne in ihrem Alltag zeigt.

Auf der anderen großen Leinwand zeigt die Schwedin Petra Bauer ihren Film WORKERS!, in dem Angehörige von SCOT-PEP einen Tag lang den schottischen Gewerkschaftskongress für ihre Arbeit nutzen. Die Aneignung dieses offiziellen Gebäudes macht sofort den Anspruch der Organisation klar, nämlich die Rechte von Sexarbeitenden auf Augenhöhe mit anderen Arbeiter*innen zu verteidigen. Manche Akteur*innen wollen unerkannt bleiben, andere schützen ihre Gesichter mit dem roten Regenschirm, manche zeigen sich der Kamera komplett. Petra Bauers Film ist sehr nah dran und schafft durch die Kameraführung das Gefühl, Teil der Versammlung zu sein.

Zwischen den beiden Leinwänden ist ein Seminartisch aufgestellt worden mit aktueller Literatur und Pads zur Hurenbewegung. Es lädt ein, sich an den Tisch zu setzen und ins Thema einzusteigen.

5 weitere Arbeiten werden in der Ausstellung gezeigt. Besonders spannend für mich war dabei der slowenische Künstler Tadej Pogačar, der 2001 auf der Biennale von Venedig einen Pavillon für den ersten Weltkongress der Sexarbeitenden nutzte, aus dem dann auch der RED UMBRELLA MARCH resultierte. Von diesem Zeitpunkt an war der rote Regenschirm fest als das Symbol unserer Bewegung installiert. Es folgten weitere Aktionen bis heute. Der Oberbegriff für diese Installationen ist CODE:RED, unter diesem Titel begann Tadej Pogačar 1999 sein partizipatorisches Langzeit-Projekt, das eine Art Plattform für Expert*innen, Künstler*innen, Aktivist*innen und Sexarbeiter*innen darstellt. Es gab CODE:RED-Beiträge in Zagreb, Bangkok, Madrid und Sao Paolo. In Brasilien gab es die Aktion mit dem Modelabel DASPU, das eine Kollektion von Sexarbeitenden entwerfen und präsentieren ließ. Zusammengearbeitet hat Pogačar dort mit Davida, einer brasilianischen NGO, die sich mit den Rechten von Sexarbeitenden befasst.

Neben der spannenden Ausstellung hatten wir eine absolut anregende Diskussion. Doro von Phönix e.V. und ihre Kollegin und ich unterstützen den Rundgang durch die Ausstellung mit Einwürfen, Ergänzungen und Anmerkungen. Bei dem schon vorgestellten Werk von Petra Bauer kam mir natürlich gleich der Hurenkongress in den Sinn, wo wir ja auch ein etabliertes Gebäude zwei Tage lang für unsere Themen mit Beschlag belegten, und bei CODE:RED kam dann auch das Schwarmkunstprojekt STRICH:CODE:MOVE zu Wort. Wir haben uns mit den Veranstaltungsbesuchern über Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter*innen unterhalten, über das allgegenwärtige Stigma, die Situation mit dem ProstSchG und unsere Vernetzung in der Bewegung.

Eine Dame warf manchmal stark aggressiv immer wieder Zitate von Alice Schwarzer ein, fragte mich, was den Sex für mich persönlich sei und wie ich es wagen könne, für Frischfleisch, Menschenhandel und die Frau als Ware ganz andere Sichtweisen und Perspektiven zu haben. Es ging also hoch her. Mich hat das Publikum begeistert, das sehr rege mitdiskutiert hat. Die Besucher*innen bleiben immer reflektiert, und interessiert. Sie wollten Zusammenhänge besser verstehen und konnten auch für Außenstehende schwierige Zusammenhänge gut aushalten.

Solche Veranstaltungen nutzen uns, glaube ich, viel mehr als irgendwelche Schlagzeilen in den Massenmedien. Es war ein grandioser Abend mitten in der norddeutschen Provinz und ich habe viele Anregungen für meinen eigenen Aktivismus mitgegangen. In diesen tristen Zeiten ein echter Lichtblick!

Danke an das Edith-Russ-Haus für Medienkunst, das Team vor Ort und an die Kolleg*innen von Phönix e.V.

Ausstellung „Red Umbrella Struggles“

Vom 17.4. bis 23.6. findet im Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg eine interessante Ausstellung zum Thema Sexarbeit statt. 6 Künstler*innen nähern sich dem komplexen Feld der Sexarbeit und möchten politische und moralische Diskurse ausleuchten sowie zum Dialog mit Sexarbeitenden künstlerisch anregen.

Bei den Künstler*innen handelt es sich um

Petra Bauer
Daniel Jacoby
Louise Carrin
Tadej Pogačar
Lilla Szász
Ditte Haarløv Johnsen.

Anhand von Archivmaterialien, Dokumentarfilmen, Installationen und Fotografien möchten sich die Künster*innen den Sexarbeiter*innen nähern und Fragen von Arbeitsbedingungen, geschlechtliche Identität und Migration thematisieren. Ganz ohne Voyeurismus und Klischees.

Man darf sehr gespannt sein, denn der Künster Tadej Pogačar kooperiert seit 2001 bei der Biennale in Venedig mit Sexworkern. Dort entstand damals unter anderem der Prostitute Pavillion und die Code:Red – Installation. Diese Installation versteht sich als Plattform zur Erforschung und Vernetzung urbaner Minderheiten und globaler Sexarbeiter und möchte zwischen der Öffentlichkeit, den Sexarbeiter*innen und den Künstler*innen mitteln. Tadej Pogačar war auch beim Red Umbrella March unter den Initiatoren und setzt sich bis heute mit dem Thema Sexarbeit künstlerisch auseinander.

Am 8.5. veranstaltet das Edith-Russ-Haus eine Begleitveranstaltung, bei der Dorothee Türnau von der Beratungsstelle Phönix e.V. und ich einen Ausstellungsrundgang unternehmen und Fragen beantworten. Darauf freue ich mich schon sehr.

Mehr zur Ausstellung gibt es hier.

Tiefer und tiefer…

Ein Plädoyer für die erotische Hypnose

Lange habe ich davon geträumt und jetzt ist es endlich Realität geworden. Vor einigen Wochen habe ich eine Ausbildung in Hypnose absolviert, um meine Gäste noch tiefer in ihre sexuellen Traumwelten zu führen und zu begleiten.

Hypnose ist ein hochwirksames Instrument, um das menschliche Gehirn so richtig auf Hochtouren zu bringen. Ganz im Gegenteil zur landläufigen Meinung, dass man zu einer willenlosen Puppe wird, muss der Hypnotisand bereit für diesen Schritt sein und sich meinen kundigen Händen willfährig überlassen. Während der Hypnose bleibst Du auch immer entscheidungsfähig, aber Du möchtest doch loslassen und Dich mir ganz überantworten?

Ich führe Dich in eine Trance, die alles, was Du Dir für Dein tiefes erotisches Erlebnis wünschst, umso plastischer und echter werden lässt. Das Gehirn ist mächtig und unsere Vorstellungskraft schier endlos. Ich mache mir das zu Nutze, um Dein Kopfkino ganz wirklich und real vor Deinem inneren Auge entstehen zu lassen.

Ich kann hier Vorstellungen, Fetische und sehr abgründige Szenarien vor Deinem inneren Auge entstehen lassen und Deinen Trieb befriedigen, ohne dass wir „es“ tatsächlich tun. Das ist perfekt für diejenigen, die den Gedanken an Dirty Games oder Petplay reizvoll finden, aber eine solche Session nicht umsetzen können oder wollen.

Ich kann also Deine Bereitschaft, mir zu dienen, tief in Deinem Unbewussten ankern und mit speziellen Triggern abrufbar machen. Keine Sorge, auch hier gilt, wie stets, ein gesundes moralisches Maß bleibt gewahrt und es passiert nichts, das Du nicht auch willst.

Ich kann mir die Hypnose zu Nutze machen, um Aversionen gegen Dinge zu erzeugen, von denen ich nicht möchte, dass Du sie tust. Du sollst mir gehorchen und ganz in meinem Bann stehen. Ich setze also die Hypnose auch zu Erziehungszwecken ein, hier zum Beispiel beim Ageplay, Windelfetisch oder in der klassischen Disziplin.

Zugleich kann die Hypnose auch ganz stimmungsvoll und komfortabel eingesetzt werden, um Deine Vorliebe für meine Stimme und meine Präsenz weiter zu steigern und Dich ganz tief mental zu berühren.

Du wünschst Dir nun eine Session mit erotischer Hypnose? Dann vereinbare doch ganz einfach einen Termin mit mir, der mindestens 1,5h lang ist. Vorher sollten wir telefonieren, um abzuklären, ob Hypnose das richtige für Dich ist.

Die LINKE und das Alien

Die LINKE ist zerstritten.

„Manche Genoss*innen haben sich sogar geweigert, die Flyer für die heutige Veranstaltung zu verteilen. So ein Schmuddelkram.“ Mit diesen Worten werde ich empfangen.

Die LINKE lud ein zur Podiumsdiskussion: „Prostitution im Spannungsfeld zwischen sexueller Selbstbestimmung und Ausbeutung“ am 11.3.2019 in Hannovers Haus der Regionen. Unsere Veranstaltung konkurriert in direkter Nachbarschaft mit Eckart von Hirschhausen, und ein bisschen komme ich mir auch vor wie im politischen Kabarett.

Hinzu gesellt sich das latente Gefühl, dass heute eigentlich der Rücktritt von Sahra Wagenknecht dringlicher unter den Genoss*innen diskutiert werden will, sei es drum, unser Thema ist ein anderes. Eines, das spaltet, unbequem ist und brisant.

Mit mir auf dem Podium sitzen:
Fachbereich Gesundheit der Region Hannover
Ärztin für öffentliches Gesundheitswesen
Stefanie Schmidt
Landesrats LINKE Frauen Niedersachsen
Moderation:
Jessica Kaußen
Fraktionsvorsitzende DIE LINKE.

Ein Podium im Nachgang des 8. März, mit diesem Thema, da hatte ich Lust zu. Stefanie Schmidt stellt sich mitten Worten vor, Prostitution gehört verboten. Und schon sind wir mitten in der Debatte.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Moderatorin das Thema einbettet, historisch und gesellschaftlich, und vielleicht auch die parteiinternen Positionen ein wenig darstellt. Statt dessen geht es gleich mit der ersten Frage los, nämlich was der Berufsverband mit Hydra zu tun hat. Komischer Einstieg… ich erzähle über uns, über die politische Arbeit, die Zusammenarbeit mit Hydra, wie sehr mir die Arbeit von Hydra imponiert, Stichwort Fokusgruppen, Peerprojekt, Café, dass man so an die politisch unterrepräsentierten Kolleg*innen in der Sexarbeit rankommt und wie doof es ist, dass Mittelkürzung allgegenwärtig ist. Was der Berufsverband macht, wie wir mit Beratungsstellen, wie Phönix in Hannover zusammenarbeiten und dass wir an Runden Tischen vertreten sind, zum Beispiel ganz konkret in Hannover.

Danach geht die nächste Frage an Frau Graf, die sehr interessant und kompetent über die Pflichtberatung und die Arbeit ihres Fachbereichs berichtet, es haben sich bisher knapp unter 500 Sexworker angemeldet, nur Frauen. Sie problematisiert die Pflichtberatung, hinterfragt kritisch, wie in einem solchen Setting Zwangslagen erkannt werden können und fällt mir durch ihren angenehmen Ton und ihre wertschätzende Art angenehm auf.

Danach ist Stefanie Schmidt dran. Jetzt bin ich gespannt. Die Frage ist, ob der Landesrat LINKE Frauen eine einheitliche Haltung zu Prostitution habe und dieses Thema diskutiere. Nein, sagt sie, es gäbe viel Streit und deswegen diskutiere man das nicht. Wow!

Soll ich mich nun freuen oder enttäuscht sein? Sie ist derart unsicher und die Berührungsängste mit dem Themenkomplex Sexarbeit scheinen durch. In der Folge hat sie noch eine Frage zum Thema sexuelle Selbstbestimmung und Ausbeutung. Auch da kommt leider kein Argument, sondern lediglich Glaubenssätze. Man könne das in der ausgebeuteten Gesellschaft des Marktkapitalismus doch gar nicht selbstbestimmt tun, und dass es eiine Illusion sei, zu glauben, man könne selbstbestimmt seinen Körper verkaufen. Da hake ich dann ein, spreche über Mündigkeit, über Sexarbeit als professionelle Dienstleistung wie auch andere Dienstleistungen, über das menschliche Grundbedürfnis Sexualität. Leider kommt keine Diskussion in Gange.

Zwischen der Unterstellung von Zwang und der krassen Beschämung, die die meisten Leute, die diese Veranstaltung besuchen, zu spüren scheinen, vergeht der Abend schnell. Spannend ist für mich, wie die LINKE, obwohl sie sich in marxistischer Tradition sieht, krass den moralistischen Argumenten des bürgerlichen Feminismus erliegt, statt ihre eigenen Quellen zu studieren. Krakeelen nach Würde und fragen nach sexueller Selbstbestimmung, aber wenn ich dann feministisch argumentiere und frage, wie es denn mit künstlerischer und sexueller Avantgarde aussieht, mit der sexuellen Selbstbestimmung der Frau und davon rede, wie muffig die Vorstellung ist, dass Intimität nur in der Ehe möglich ist, und heilig und unantastbar und das so unglaublich körperfeindlich und sexnegativ ist, dann bleibe ich doch ein Alien in diesem Umfeld.

Ein paar Highlights gab es dann doch: die Moderation war interessiert und zugewandt, Frau Graf machte einen tollen und kompetenten Eindruck und es ist mutig, das Thema zu bringen. Doro von Phönix war da, und einige Fragen aus dem Publikum waren nicht nur hurenfeindlich und anmaßend. Für mich ist es dennoch kein Wunder, dass die LINKE weder als revolutionäre Partei wahrgenommen wird, noch sonst besonders große Anziehungskraft auf politische Menschen ausübt. Sie haben keine Utopie oder Vision sondern erliegen widersprüchlichen Moralvorstellungen, leider streitet man statt zu diskutieren. Da fühlt man sich dann nicht zu hingezogen… sondern bleibt lieber ein Alien.

Sind wir alle nur eingebildete Freiwillige? – Sexarbeit auf zeit.de

 

„Der hohe Preis von käuflichem Sex“ und „Blowjob auf Bestellung“

Der Titel der Podcastreihe auf zeit.de lautet: Ist das normal? In diesem wöchentlich erscheinenden Format widmet sich die Sexual- und Traumatherapeutin Melanie Büttner (München) kunterbunten Fragen rund um Sex. In zwei kürzlichen Folgen (25.6.18 und 02.07.18) ging es um Sexarbeit. Zuerst um die Kunden der Dienstleistung Sex und in der Folge von Anfang Juli um die Arbeitsbedingungen und Arbeitssituation der Prostituierten, aber auch um die Sexarbeitenden, ihre Gesundheit und die Frage der Freiwilligkeit.

Die Moderatorin Alina Schadwinkel und die Sexualtherapeutin Melanie Büttner diskutieren zunächst darüber, wie viele Menschen in Deutschland eigentlich in der Sexarbeit tätig sind. Von 84.000 – 1,2 Millionen ist die Rede und 90% davon würden diese Tätigkeit unfreiwillig ausüben, laut „Polizeiexperten“, die hier schwammig als Quelle genannt werden. Auf dem Fuße folgt die Verknüpfung von Sexarbeit mit Menschenhandel, Zuhälterei und Zwang, denn so werden „Frauen zu Sexarbeit bewegt“, wie Melanie Büttner es formuliert. Dabei erwähnt sie dann in einem Nebensatz „innere Zwänge“ oder finanzielle Notlagen, und sortiert locker-flockig auch solche Menschen in das Gros der Unfreiwilligen ein, die „durch Dritte unbeeinflusst“ in der Sexarbeit tätig sind. Hier lohnt es sich genauer hinzuschauen, denn das ist ein argumentativer Dreh- und Angelpunkt dieser Episode: von „inneren Zwänge“ ist die Rede und von Opfern und von Krankheiten, psychischer und physischer Natur. Sexarbeiter*innen werden pathologisiert, und unausgesprochen bleibt die Frage nach der Mündigkeit und der freien Entscheidung von jenen, über die da geredet wird, nämlich über uns.

Wer kann sich also angesichts einer derart verheerenden Situation noch einbilden, selbstbestimmt in der Sexarbeit tätig zu sein?

Wie kann man da noch gesellschaftliche Anerkennung fordern?

Wahrscheinlich sind wir alle letztlich gar nicht objektiv, sondern durch Traumata, Gewalterfahrungen und tiefenpsychologisch verankerte Muster nur eingebildete Freiwillige?

Es gibt sie aber wohl doch, die freiwillige Sexarbeiterin, die neugierig ist, den Kick, das Abenteuer sucht, so Büttner, das sei legitim, ließe sich doch in einigen Segmenten anscheinend gutes Geld verdienen. Hier werden also in bekannter Manier hochbezahlte Segmente der Sexarbeit als Ausnahme dargestellt, für 90% sind die Arbeitsbedingungen unerträglich, der Darstellung der Situation widmen Büttner und Schadwinkel sich hingebungsvoll. Sie leiten über zur Frage nach sexueller Gewalt im Leben von Sexarbeitenden, und zwar in der Kindheit und Jugend, als auch im späteren Erwachsenenleben. Dabei greift Melanie Büttner auf eine Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2004 zu Gewalt und Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland zurück. Im Rahmen der Untersuchung wurden 110 Sexarbeitende als eine Teilpopulation befragt. Da ist von nennenswerten Gewalterfahrungen zu lesen. Allerdings vergessen die beiden Akteurinnen des Podcasts darauf hinzuweisen, dass 37% der Frauen in der Hauptbefragung auch Angaben, Opfer von Gewalt in unterschiedlicher Form geworden zu sein. Haben die beiden nur „vergessen“, die Untersuchung der Teilpopulation mit einer Referenzgruppe abzugleichen?

Das Bild, das von der Sexarbeit gezeichnet wird, ist tiefschwarz. Es ist die Rede von seelischer und körperlicher Misshandlung, Abhängigkeit, Krankheit und auch Todessehnsucht. Gespickt werden diese scheinbar faktendurchsetzten Zitate aus unzähligen Studien mit überrascht-naiven Rückfragen seitens der Moderatorin Alina, und hängen bleibt vor allem der Schock und die Fassungslosigkeit.

Die doch so wichtige Frage nach guten Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit, wird zum Beispiel durch Alina mit der zynischen Einwurf bedacht, ob man dann ein schönes Sofa zum Arbeiten hätte?

Wem nützt so ein Podcast?

Und wieso nützt wem solch ein Podcast?

Es werden fast ausschließlich Quellen zitiert, die verheerende Urteile über Prostitution und die damit angeblich einhergehende Kriminalität fällen. Es werden in einer Weise Hinweise auf Länder eingestreut, die ein Sexkaufverbot installiert haben, und in Bezug gesetzt zu Zahlen über Menschenhandel und Prostitution. Liest man sich durch die teilweise dummen Kommentare hindurch, gewinnt man den Eindruck, dass dieser Podcast ein Geschenk an die Prostitutionsgegner ist.

Die Verschränkung von Zahlen über Kriegsveteranen und Sexarbeitenden oder von Trauma und Prostitution, die Schlussfolgerung, dass man die Sexarbeit nur betäubt ertragen könnte, die Menschenunwürdigkeit der Verhältnisse in der Prostitution, all das sind Stilmittel und Argumente, die insbesondere aus dem Lager der Prostitutionsgegner angeführt werden. Die allergrößte Mehrzahl ist in dieser verabscheuenswürdigen Tätigkeit gefangen. Opfer, Krankheit, Zwang, und dann die Frage nach der Gesetzgebung und dem Schutzgedanken des ProstSchG: Klar, wenn die Sexarbeit ein solches Schreckgespenst ist, dann muss reguliert und zwangsregistriert werden. Es handelt sich um einen notwenigen Schutz für die Schutzbedürftigen. Und das sind eigentlich alle.

Ist das normal, frage ich mich, ein so einseitiges Bild einer komplexen gesellschaftlichen Frage, wie die nach dem Angebot und der Nachfrage von Sexarbeit zu zeichnen, wie es nach dem Hören dieser beiden Episoden entsteht?

Ist das normal, dass sich Moderator*innen und Expert*innen einerseits so betont neutral geben, aber allernachdrücklichst lediglich Quellen zitieren, die Sexarbeit ins gesellschaftliche Abseits stellen und den Sexarbeitenden Traumatisierung, Belastungsstörungen und Depressionen unterstellen?

Ist das normal, dass man über die Sexarbeit spricht und sich dabei in den schwärzesten Farben die Realität von Sexarbeitenden ausmalt, ohne mal jemand aus der Sexarbeit zu fragen?

Ist das normal, dass in der Zeit Meinung gemacht wird, durch unterschwellige Manipulation und gezielte Verbreitung immer gleicher Quellen, die wir, die Sexarbeitenden in Deutschland, nachdrücklich in Frage stellen?

Hier wird Stimmung gegen Sexarbeit gemacht, hier wird Stigma mediale Realität und ich darf mich am Ende fragen, kann ich eigentlich noch für mich selbst entscheiden, oder bin ich schon reif für die Vormundschaft, wenn ich meinem Beruf als Hure selbstbestimmt und motiviert nachgehe?