Die LINKE und das Alien

Die LINKE ist zerstritten.

„Manche Genoss*innen haben sich sogar geweigert, die Flyer für die heutige Veranstaltung zu verteilen. So ein Schmuddelkram.“ Mit diesen Worten werde ich empfangen.

Die LINKE lud ein zur Podiumsdiskussion: „Prostitution im Spannungsfeld zwischen sexueller Selbstbestimmung und Ausbeutung“ am 11.3.2019 in Hannovers Haus der Regionen. Unsere Veranstaltung konkurriert in direkter Nachbarschaft mit Eckart von Hirschhausen, und ein bisschen komme ich mir auch vor wie im politischen Kabarett.

Hinzu gesellt sich das latente Gefühl, dass heute eigentlich der Rücktritt von Sahra Wagenknecht dringlicher unter den Genoss*innen diskutiert werden will, sei es drum, unser Thema ist ein anderes. Eines, das spaltet, unbequem ist und brisant.

Mit mir auf dem Podium sitzen:
Fachbereich Gesundheit der Region Hannover
Ärztin für öffentliches Gesundheitswesen
Stefanie Schmidt
Landesrats LINKE Frauen Niedersachsen
Moderation:
Jessica Kaußen
Fraktionsvorsitzende DIE LINKE.

Ein Podium im Nachgang des 8. März, mit diesem Thema, da hatte ich Lust zu. Stefanie Schmidt stellt sich mitten Worten vor, Prostitution gehört verboten. Und schon sind wir mitten in der Debatte.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Moderatorin das Thema einbettet, historisch und gesellschaftlich, und vielleicht auch die parteiinternen Positionen ein wenig darstellt. Statt dessen geht es gleich mit der ersten Frage los, nämlich was der Berufsverband mit Hydra zu tun hat. Komischer Einstieg… ich erzähle über uns, über die politische Arbeit, die Zusammenarbeit mit Hydra, wie sehr mir die Arbeit von Hydra imponiert, Stichwort Fokusgruppen, Peerprojekt, Café, dass man so an die politisch unterrepräsentierten Kolleg*innen in der Sexarbeit rankommt und wie doof es ist, dass Mittelkürzung allgegenwärtig ist. Was der Berufsverband macht, wie wir mit Beratungsstellen, wie Phönix in Hannover zusammenarbeiten und dass wir an Runden Tischen vertreten sind, zum Beispiel ganz konkret in Hannover.

Danach geht die nächste Frage an Frau Graf, die sehr interessant und kompetent über die Pflichtberatung und die Arbeit ihres Fachbereichs berichtet, es haben sich bisher knapp unter 500 Sexworker angemeldet, nur Frauen. Sie problematisiert die Pflichtberatung, hinterfragt kritisch, wie in einem solchen Setting Zwangslagen erkannt werden können und fällt mir durch ihren angenehmen Ton und ihre wertschätzende Art angenehm auf.

Danach ist Stefanie Schmidt dran. Jetzt bin ich gespannt. Die Frage ist, ob der Landesrat LINKE Frauen eine einheitliche Haltung zu Prostitution habe und dieses Thema diskutiere. Nein, sagt sie, es gäbe viel Streit und deswegen diskutiere man das nicht. Wow!

Soll ich mich nun freuen oder enttäuscht sein? Sie ist derart unsicher und die Berührungsängste mit dem Themenkomplex Sexarbeit scheinen durch. In der Folge hat sie noch eine Frage zum Thema sexuelle Selbstbestimmung und Ausbeutung. Auch da kommt leider kein Argument, sondern lediglich Glaubenssätze. Man könne das in der ausgebeuteten Gesellschaft des Marktkapitalismus doch gar nicht selbstbestimmt tun, und dass es eiine Illusion sei, zu glauben, man könne selbstbestimmt seinen Körper verkaufen. Da hake ich dann ein, spreche über Mündigkeit, über Sexarbeit als professionelle Dienstleistung wie auch andere Dienstleistungen, über das menschliche Grundbedürfnis Sexualität. Leider kommt keine Diskussion in Gange.

Zwischen der Unterstellung von Zwang und der krassen Beschämung, die die meisten Leute, die diese Veranstaltung besuchen, zu spüren scheinen, vergeht der Abend schnell. Spannend ist für mich, wie die LINKE, obwohl sie sich in marxistischer Tradition sieht, krass den moralistischen Argumenten des bürgerlichen Feminismus erliegt, statt ihre eigenen Quellen zu studieren. Krakeelen nach Würde und fragen nach sexueller Selbstbestimmung, aber wenn ich dann feministisch argumentiere und frage, wie es denn mit künstlerischer und sexueller Avantgarde aussieht, mit der sexuellen Selbstbestimmung der Frau und davon rede, wie muffig die Vorstellung ist, dass Intimität nur in der Ehe möglich ist, und heilig und unantastbar und das so unglaublich körperfeindlich und sexnegativ ist, dann bleibe ich doch ein Alien in diesem Umfeld.

Ein paar Highlights gab es dann doch: die Moderation war interessiert und zugewandt, Frau Graf machte einen tollen und kompetenten Eindruck und es ist mutig, das Thema zu bringen. Doro von Phönix war da, und einige Fragen aus dem Publikum waren nicht nur hurenfeindlich und anmaßend. Für mich ist es dennoch kein Wunder, dass die LINKE weder als revolutionäre Partei wahrgenommen wird, noch sonst besonders große Anziehungskraft auf politische Menschen ausübt. Sie haben keine Utopie oder Vision sondern erliegen widersprüchlichen Moralvorstellungen, leider streitet man statt zu diskutieren. Da fühlt man sich dann nicht zu hingezogen… sondern bleibt lieber ein Alien.

Sind wir alle nur eingebildete Freiwillige? – Sexarbeit auf zeit.de

 

„Der hohe Preis von käuflichem Sex“ und „Blowjob auf Bestellung“

Der Titel der Podcastreihe auf zeit.de lautet: Ist das normal? In diesem wöchentlich erscheinenden Format widmet sich die Sexual- und Traumatherapeutin Melanie Büttner (München) kunterbunten Fragen rund um Sex. In zwei kürzlichen Folgen (25.6.18 und 02.07.18) ging es um Sexarbeit. Zuerst um die Kunden der Dienstleistung Sex und in der Folge von Anfang Juli um die Arbeitsbedingungen und Arbeitssituation der Prostituierten, aber auch um die Sexarbeitenden, ihre Gesundheit und die Frage der Freiwilligkeit.

Die Moderatorin Alina Schadwinkel und die Sexualtherapeutin Melanie Büttner diskutieren zunächst darüber, wie viele Menschen in Deutschland eigentlich in der Sexarbeit tätig sind. Von 84.000 – 1,2 Millionen ist die Rede und 90% davon würden diese Tätigkeit unfreiwillig ausüben, laut „Polizeiexperten“, die hier schwammig als Quelle genannt werden. Auf dem Fuße folgt die Verknüpfung von Sexarbeit mit Menschenhandel, Zuhälterei und Zwang, denn so werden „Frauen zu Sexarbeit bewegt“, wie Melanie Büttner es formuliert. Dabei erwähnt sie dann in einem Nebensatz „innere Zwänge“ oder finanzielle Notlagen, und sortiert locker-flockig auch solche Menschen in das Gros der Unfreiwilligen ein, die „durch Dritte unbeeinflusst“ in der Sexarbeit tätig sind. Hier lohnt es sich genauer hinzuschauen, denn das ist ein argumentativer Dreh- und Angelpunkt dieser Episode: von „inneren Zwänge“ ist die Rede und von Opfern und von Krankheiten, psychischer und physischer Natur. Sexarbeiter*innen werden pathologisiert, und unausgesprochen bleibt die Frage nach der Mündigkeit und der freien Entscheidung von jenen, über die da geredet wird, nämlich über uns.

Wer kann sich also angesichts einer derart verheerenden Situation noch einbilden, selbstbestimmt in der Sexarbeit tätig zu sein?

Wie kann man da noch gesellschaftliche Anerkennung fordern?

Wahrscheinlich sind wir alle letztlich gar nicht objektiv, sondern durch Traumata, Gewalterfahrungen und tiefenpsychologisch verankerte Muster nur eingebildete Freiwillige?

Es gibt sie aber wohl doch, die freiwillige Sexarbeiterin, die neugierig ist, den Kick, das Abenteuer sucht, so Büttner, das sei legitim, ließe sich doch in einigen Segmenten anscheinend gutes Geld verdienen. Hier werden also in bekannter Manier hochbezahlte Segmente der Sexarbeit als Ausnahme dargestellt, für 90% sind die Arbeitsbedingungen unerträglich, der Darstellung der Situation widmen Büttner und Schadwinkel sich hingebungsvoll. Sie leiten über zur Frage nach sexueller Gewalt im Leben von Sexarbeitenden, und zwar in der Kindheit und Jugend, als auch im späteren Erwachsenenleben. Dabei greift Melanie Büttner auf eine Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2004 zu Gewalt und Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland zurück. Im Rahmen der Untersuchung wurden 110 Sexarbeitende als eine Teilpopulation befragt. Da ist von nennenswerten Gewalterfahrungen zu lesen. Allerdings vergessen die beiden Akteurinnen des Podcasts darauf hinzuweisen, dass 37% der Frauen in der Hauptbefragung auch Angaben, Opfer von Gewalt in unterschiedlicher Form geworden zu sein. Haben die beiden nur „vergessen“, die Untersuchung der Teilpopulation mit einer Referenzgruppe abzugleichen?

Das Bild, das von der Sexarbeit gezeichnet wird, ist tiefschwarz. Es ist die Rede von seelischer und körperlicher Misshandlung, Abhängigkeit, Krankheit und auch Todessehnsucht. Gespickt werden diese scheinbar faktendurchsetzten Zitate aus unzähligen Studien mit überrascht-naiven Rückfragen seitens der Moderatorin Alina, und hängen bleibt vor allem der Schock und die Fassungslosigkeit.

Die doch so wichtige Frage nach guten Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit, wird zum Beispiel durch Alina mit der zynischen Einwurf bedacht, ob man dann ein schönes Sofa zum Arbeiten hätte?

Wem nützt so ein Podcast?

Und wieso nützt wem solch ein Podcast?

Es werden fast ausschließlich Quellen zitiert, die verheerende Urteile über Prostitution und die damit angeblich einhergehende Kriminalität fällen. Es werden in einer Weise Hinweise auf Länder eingestreut, die ein Sexkaufverbot installiert haben, und in Bezug gesetzt zu Zahlen über Menschenhandel und Prostitution. Liest man sich durch die teilweise dummen Kommentare hindurch, gewinnt man den Eindruck, dass dieser Podcast ein Geschenk an die Prostitutionsgegner ist.

Die Verschränkung von Zahlen über Kriegsveteranen und Sexarbeitenden oder von Trauma und Prostitution, die Schlussfolgerung, dass man die Sexarbeit nur betäubt ertragen könnte, die Menschenunwürdigkeit der Verhältnisse in der Prostitution, all das sind Stilmittel und Argumente, die insbesondere aus dem Lager der Prostitutionsgegner angeführt werden. Die allergrößte Mehrzahl ist in dieser verabscheuenswürdigen Tätigkeit gefangen. Opfer, Krankheit, Zwang, und dann die Frage nach der Gesetzgebung und dem Schutzgedanken des ProstSchG: Klar, wenn die Sexarbeit ein solches Schreckgespenst ist, dann muss reguliert und zwangsregistriert werden. Es handelt sich um einen notwenigen Schutz für die Schutzbedürftigen. Und das sind eigentlich alle.

Ist das normal, frage ich mich, ein so einseitiges Bild einer komplexen gesellschaftlichen Frage, wie die nach dem Angebot und der Nachfrage von Sexarbeit zu zeichnen, wie es nach dem Hören dieser beiden Episoden entsteht?

Ist das normal, dass sich Moderator*innen und Expert*innen einerseits so betont neutral geben, aber allernachdrücklichst lediglich Quellen zitieren, die Sexarbeit ins gesellschaftliche Abseits stellen und den Sexarbeitenden Traumatisierung, Belastungsstörungen und Depressionen unterstellen?

Ist das normal, dass man über die Sexarbeit spricht und sich dabei in den schwärzesten Farben die Realität von Sexarbeitenden ausmalt, ohne mal jemand aus der Sexarbeit zu fragen?

Ist das normal, dass in der Zeit Meinung gemacht wird, durch unterschwellige Manipulation und gezielte Verbreitung immer gleicher Quellen, die wir, die Sexarbeitenden in Deutschland, nachdrücklich in Frage stellen?

Hier wird Stimmung gegen Sexarbeit gemacht, hier wird Stigma mediale Realität und ich darf mich am Ende fragen, kann ich eigentlich noch für mich selbst entscheiden, oder bin ich schon reif für die Vormundschaft, wenn ich meinem Beruf als Hure selbstbestimmt und motiviert nachgehe?

Der lange Sommer der langen Erziehungen

 

Der Sommer dieses Jahr umschloss uns fest im Griff seiner Hitze, die sonnendurchfluteten Tage wollten nicht enden und die schwülen Nächte hielten uns wach. Ein Klima, in dem manche Menschen beginnen zu träumen, erotisch zu träumen. Sie erträumen sich Auslieferung ohne den ständigen Blick auf die Uhr, Inhaftierung und Kontrollverlust, ohne Zeitgefühl, einfach eintauchen in diese Welt der Zwänge, Grenzen und des Gehorsams.
Thematisch stand dieser Sommer für mich unter der Überschrift:

Langzeit-Session

Es gab ein Wochenende mit dem Gipsmeister und seiner Gehilfin, die sich dann selbst die Meriten verdiente, es gab eine lange und grausame Inhaftierung, es gab Ponyspiele bei 38°C im Schatten und es gab strenge Windelzucht. Hinzu kamen Partybesuche und eine Reise mit einem Gast. Wir haben geschwitzt, es lief uns feucht den Rücken herunter, und doch besaß dieser lange Sommer eine ganz eigene Intensität, an die ich noch lange zurück denken werde.

Du träumst also auch von diesen langen Sessions? Möchtest so etwas aber nicht nur im SM-Studio erleben, sondern eventuell Outdoor oder mit einem Partybesuch verbinden, oder kultivierte Gespräche führen, lange Spaziergänge an meiner Seite mit guten Gesprächen füllen?

Hier eine kleine Übersicht an Dingen, die Du bei Deiner Planung berücksichtigen solltest:

Vorher:

  • Am Anfang steht die Lust, mich in Dein Vorhaben einzuweihen. Triff mich zu einer Dinnertime und lass uns über Deine Idee rund um Inhaftierung, Psychiatrie, Gipssanatorium, Ponyplay, frivoles Ausgehen oder kinky shopping, Deine Reise in die Kindheit oder einfach meine Gesellschaft bei einem Glas plaudern und erste Ideen entwickeln.
  • Möchtest Du mir die Planung komplett überlassen? Auch das ist möglich.
  • Im Idealfall haben wir uns bereits einmal zu einem Termin getroffen, wissen, wie wir ticken, ich habe aber auch internationale Gäste, bei denen so etwas nicht möglich ist.
  • Ein solch intensives Erlebnis erfordert aufwändige Vorbereitung und ist auch nicht für kleines Geld zu haben. Sei es Dir Wert, Deine kostbare Zeit in erfahrene und hingebungsvolle Hände zu legen und schlage mir Deine Fantasie vor, damit sie Wirklichkeit werden kann.
  • Du möchtest in eine abgefahrene Location rund um das Thema BDSM reisen und suchst die passende Gespielin? Brauchst Du einen Tipp, welches dieser vielfältigen Angebote zu Dir passt? Ich kenne viele Themenhotels, Studios und frivole Örtlichkeiten aus erster Hand und berate Dich gern.
  • Ihr seid ein Paar und wollt mich als Maitresse und Zeremonienmeisterin engagieren? Es ist mir eine große Freude, Eure gemeinsame Zeit noch unvergesslicher zu machen.
  • Du leistest eine entsprechende Anzahlung oder bezahlst im Vorhinein unsere Spielzeit, die Reisekosten sowie meine Unterbringung.

Währenddessen:

  • Ich weiß ein gutes Hotel mit einem Zimmer für mich allein sehr zu schätzen. Wir übernachten getrennt voneinander, so dass jedem die Menge an Erholung und Privatsphäre zuteil wird, die unser Sessionprojekt zum Gelingen bringt und es unvergesslich macht.
  • Ich bin für vieles zu haben, man sagt mir nach, dass man mit mir Pferde stehlen kann, aber ich brauche auch Zeit für mich. Das bedeutet, dass ein Szenario nie ohne Unterbrechung und Pausen gestaltet werden kann.
  • Sei Dir meiner Diskretion bewusst. Ich brüskiere Dich nie ohne Deinen Konsens in der Öffentlichkeit.

Danach:

  • Ich gebe mein Bestes um unsere Begegnung unvergesslich zu machen. Mich freut Dein Feedback umso mehr. Im besten Fall hat diese Begegnung das Potential Dich süchtig zu machen.

Double Dose

Cynthia ist ein wahres Geschenk mit Überraschungseffekt. Es wurde geliefert, ohne dass ich es bestellt hatte. Neugierig und etwas skeptisch schaute ich in ihr junges und unschuldiges Gesicht. Lauschte ihrer hellen Stimme und fragte mich, wie sich ihre Haut wohl anfühlt? Diese weiße makellose Haut und dieses atemberaubende Dekolleté … machte mir Lust, auf dieser weichen, weißen Haut Spuren zu hinterlassen, diesen vollen Po zu röten und in ihren Augen etwas anderes zu lesen als freundliche Neugier und Spielfreude.

Wir lernten uns ein wenig kennen, entdeckten unsere gemeinsame Vorliebe für Rollenspiele und intelligenten Dirty Talk, Blasphemie, stimmungsvolle Düsternis und bittersüße Körperreisen. Auch unsere Gegensätze loteten wir aus, meinen Sadismus und meine unnahbare, kalte Seite, meine Bereitschaft zu schmutzigen und dreckigen Sauereien, sowie ihren Faible für kuschelige und wohlriechende Texturen. Cynthia liebt Rüschen und Spitze und es steht ihr wunderbar. Ich mag Leder, klare Schnitte, Uniformen, Stiefel in astronomischen Höhen.

Gemeinsam schaffen wir ein Universum von Möglichkeiten und Vielschichtigkeiten. Wir pellen Dich aus Deiner Kleidung, gehen Dir unter die Haut und lassen Dich staunen. Denn auch die liebe Cynthia hat eine böse und gemeine Ader und ich, Ruby, genieße auch mal die passive Seite der Lust.
Eine besondere Freude sind uns frivole Feste, bizarre Partybesuche und Trips in Paralleluniversen der Libido.

Flagellanten, Prügelknaben und Rohrstockliebhaber

Oft hört man, dass die Gruppe der Liebhaber der englischen Erziehung eine aussterbende Gattung sei. Solche, die es zu schätzen wissen, wenn es mit dem gemeinen Stöckchen kunstvoll auf den Allerwertesten gibt. Jene, die unterscheiden können, wie sich geschälte und ungeschälte, dicke und dünne und mit Leder überzogene Rohrstöcke anfühlen. Welche Gerte das perfekte Gleichgewicht zwischen Biegsamkeit und Dichte hat.

Ich habe manchmal – leider viel zu selten – das große Vergnügen solche Sessions gestalten zu dürfen. Vielleicht falle ich für manche der Flagellanten aus dem „Raster“, weil ich keine klassische Domina bin? Möglich, aber beim genaueren Nachdenken könnte man auch den Schluss ziehen, dass ich selbst ganz gut weiß, wie sich das Kopfkino von Domestic Discipline, Maßregelung und Körperstrafen anfühlt und was ich in diesen Settings als besonders erregend empfinden würde.

Solche Sessions haben einen extremen Spannungsbogen, sie sind für mich sehr befriedigend und ein Flow der besonderen Güte entwickelt sich. Das prickelnde Gefühl, die unterschiedlichen Schlaginstrumente vorzubereiten. Das Glitzern in den Augen des Delinquenten, wenn er realisiert, dass ich einiges an eigenen Rohrstöcken und Gerten zur Auswahl habe. Der angespannte Moment, wenn es ans Fesseln oder Überlegen geht. Das Aufwärmen von Hand und mit der Klatsche, bevor es an den Einsatz der richtig pfeifenden und scharfen Erziehungshelfer geht. Das Surren des Stöckchens, das Zischen der Gerte, das Auftreffen auf die Sitzfläche des Delinquenten. Manchmal kümmere ich mich auch liebevoll um die Fußsohlen der Flagellanten, Bastonade ist eine Fußerotik der ganz besonderen Form.

Das Hineinspüren in den angemessenen Rhythmus und Takt der Wichse – nein, nicht das, was ihr gerade denkt, ein altertümliches Wort für körperliche Züchtigung – das Gefühl für die Pause und die Belehrung und das Spiel mit der Angst und der Grenze. Der Schmerz des Delinquenten und die kraftvolle, meinen ganzen Körper erfassende Vorbereitung, Planung und Platzierung der Hiebe. Es ist ein starker Rausch des Adrenalin, sowohl für denjenigen, der sich in meine Hände begibt, als auch für mich.

Der Höhepunkt der Züchtigung und der Moment, in dem die Spannung von meinem Prügelknaben abfällt. Die Nachsorge, der Afterglow und das sanfte Ausklingen des Schmerzes, das Nachfühlen, das Brennen, gepaart mit einem Moment der mentalen Intimität, der nur uns beiden gehört, meinem Prügelknaben und mir.

Gips as gips can …

Gipsfetisch – eine Annäherung

Ich mag ja ausweglose Fesselungen, die Hilflosigkeit nicht nur suggerieren, sondern auch einhalten: Folie, Segufix, Zwangesjacke – ach, das sind meine Freunde, aktiv und passiv gleichermaßen.

Anfang des Jahres hatte ich mir ein Bein gebrochen- damals war ich sehr froh, dass ich keinen Gips bekam. Das Thema der Auslieferung an die Ärzte in der Notaufnahme war in dem Moment nicht wirklich lustvoll, aber es hat schon meine Fantasie angeregt.

Eine Aussage, die ich sehr teile und für zutreffend halte, ist diese:

Das Universum liefert auf Bestellung.

Vor einigen Wochen erreichte mich eine Anfrage, ob ich mich auch passiv eingipsen lassen würde. Mein erster spontaner Gedanke war: JA! Sofort. Ich kann mich sehr leicht entscheiden, mein erster Impuls ist meist der, welcher am Ende siegt. Kurz drauf meldeten sich die Zweifel. Meint der es überhaupt ernst? Ist das nur wieder ein Fake? Wir haben dann telefoniert und da war ich mir sicherer, dass der Gipsmeister, nennen wir ihn doch einfach so, ein ernsthaftes und konkretes Anliegen hatte. Und es kam noch besser, ich würde es lernen können, selbst zu gipsen. Jackpot!

Ich liebe es den Spieß umzudrehen, wenn ich einmal weiß wie ein Fetisch „funktioniert“. Klinik macht mich eh an, aber stilvoll, hocherotisch kühl und distanziert. Es bringt physische und psychische Auslieferung zusammen und kombiniert klinische Sterilität mit schwüler Erotik. Heiß und kalt, nah und fern, nirgendwo ist der Gegensatz so ausgeprägt wie in der weißen Erotik.

Das Gipsen selbst ist solides Handwerk. Man benötigt ein paar Grundlagen und Zeit. Es ist ein erdiger Geruch, der den Raum erfüllt, wenn die Kalkbinden einweichen. Und ein feucht kühler Touch, wenn sie sich auf die Haut legen. Langsam verschwindet auch das letzte Fitzelchen der Haut unter den weißen Lagen. Die Oberfläche wird immer wieder gestreichelt und massiert, so dass ein gleichmäßiger Gipsfilm entsteht. Kurz darauf wird der Gips durch eine chemische Reaktion mit dem Wasser warm. Eine seltsame, indirekte Wärme ist das. Gips ist sehr schwer. Ich bekam an diesem Tag eine Gipsschiene an den linken Arm und einen Vollgips an das rechte Bein bis zur Mitte des Oberschenkels. Es schafft ein Gefühl der Bewegungslosigkeit und der Auslieferung. Die Session ist von Anfang bis Ende ein Hochgenuss, vom Anlegen des Kliniknachthemdes, dem Engelshemdchen, wie ich vom Gipsmeister gelernt habe, über das Ausrichten des zu gipsenden Körperteiles, sowie das Hinlegen im Klinikbett, die ersten Gehversuche mit dem Gips bis hin zu dem kreischenden Geräusch der Gipssäge.

Für mich war diese Session rund um das Thema Gips ein absolutes Aha-Erlebnis, auf das hoffentlich noch viele folgen werden. Dem Gipsmeister sei hier mein Dank ausgesprochen und ich freue mich schon sehr darauf einmal selbst Hand an den Gips anlegen zu dürfen.

 

Mademoiselle Ruby to go

Ich packe meinen Koffer und darin befinden sich:
4 anschmiegsame und separat abschließbare Lederfesseln, eine Irish-eight aus gebürstetem Edelstahl, ein Mundspreizer und ein schöner Lederknebel mit Stahlball. Auch darin enthalten ist ein weicher Strapon-Gürtel aus duftendem Leder und Silikondildos in unterschiedlichen Größen. Nicht fehlen darf eine Duftkerze und ein Massageöl. Mehrere Peitschen, Flogger und Klatschen runden meine schlagenden Argumente ab.

Ist mehr gewünscht, nehme ich noch die Architektenrolle mit den Rohrstöcken und Erziehungshelfern mit. Ein Latexlaken sorgt dafür dass selbst bei Dirty Games die Schweinerei in gewissen Grenzen gehalten wird. Ein Vibrator mit Stromkabel – die mit den Batterien sind doch was für Anfänger 😉 – darf nicht fehlen, ebenso der Womanizer, die Schröpfgläser und das Spekulum, Edelstahlklammern, und Nervenräder gehören auch in den Koffer.

Ein besonders tolles Spielzeug ist das Mystim-Stromgerät mit Handschuhen und Silikon-Klebern für vielfältige, fantasiereiche Spielereien mit der besonderen Energiezufuhr.

So ausgestattet arbeite ich auf Reisen oder bei Hotelbesuchen. Die Voraussetzung für diesen Escortservice ist ein gehobenes Hotel oder Appartment, ein mindestens telefonisches Vorgespräch und eine Anzahlung.

Meine Diskretion ist Dir gewiss, dafür weißt Du jetzt, was diese attraktive Frau mit dem maliziösen Lächeln in Ihrem Koffer hat.

Stell hier Deine Anfrage für einen Besuch.

Homo hapticus

Manchmal begegnen einem Begriffe und man spürt sofort: DAS hat was mit mir zu tun! In dem Artikel, den ich vor einigen Tagen im Netz fand, ging es um die Haut als Sinnesorgan.

Um die Wirkung von Berührungen/Druck auf die Emotionen und Hormone und auf die Fähigkeit zur Entspannung.

Das kenne ich total gut aus eigener Erfahrung.

Als passive Gespielin liebe ich strenge Fesselungen und ich mag es den Druck eines ganzen Körper auf meinem zu spüren. Ich mag es wenn sich die Fesselungen um meine Arme spannen, die nicht gefesselten Hautpartien dann als größte Spielwiese dienen für weitere Behandlungen, vielleicht mit dem Nadelrad oder auch mit den wundervollen Mystim-Handschuhen. Es darf kribbeln, bitzeln auch mal ziehen und ich darf spüren, fühlen, mein Nervenkostüm auf Reisen schicken. Ich bin ein Homo hapticus.

Ich weiß aber auch, dass Du ein Homo hapticus bist. Ich unterziehe Dich Behandlungen mit meinen Nägeln, meinen Fingerspitzen und lasse Dich meine weiche, warme Haut spüren. Vielleicht habe ich Dich streng gefesselt?

Fingerspitzengefühl bekommt eine ganz neue Aussagekraft, wenn es um intime Berührungen geht. Innen-Drinnen-Tief-und EINfühlsam. Du weißt was ich meine? Vielleicht geize ich heute damit, Dich zu berühren? Vielleicht spürst du nur meinen Atem, und Deine Härchen stehen zu Berge. Du streckst Dich mir entgegen, versuchst mir zu zeigen, wie sehr Du Dich nach meiner Berührung sehnst. Versuchst vorweg zu nehmen, was nur ich Dir gewähren kann. Vielleicht bist Du in einen Ledersack oder in Folie verpackt-weggesperrt? Und es liegt an mir, die lustvollen Stellen an Deinem Körper freizulegen? Vielleicht berühre ich Dich gerade da wo Du es nicht erwartest?

Nimm meine Einladung an, und wir gehen auf eine Reise, die mental tief unter die Haut geht und zugleich doch „oberflächlicher“ nicht sein könnte.

Stimme – Stimmung – Stimmungsvoll

 


 

„Sie haben aber eine schöne Stimme!“, sagen Gäste zu mir in einem Telefonat. Anfangs dachte ich, naja, das werden Sie wohl immer sagen, oder? Dann häuften sich dieses Aussagen auch in Sessions oder in Vorgesprächen, so dass ich irgendwann dachte, oha, das scheint nicht ganz zufällig zu sein.

Meine Stimme ist ein Instrument für mich und für Dich, genauso wie meine Hände, meine Füße, meine Haut, mein Geruch. Sie hat als Werkzeug eine große Bandbreite, ich kann sie bewusst warm und weich färben oder ihr ein hartes Klirren geben. In Kombination mit der Ausstrahlung meines sonstigen Auftretens kann das irritierend oder verführerisch wirken. Meine Stimme kann Dich sanft berühren, während meine Hand Dich kräftig schlägt, oder meine Nägel sich unnachgiebig in Dein weiches Fleisch krallen.

Um besser zu verstehen, wie genau Deine Fantasie gestrickt ist, kann mir helfen, Deine Worte mit meiner Stimme laut auszusprechen, um besser in Resonanz und in Rapport mit Dir zu kommen. Dabei beobachte ich genau Deine Reaktion. Manchmal ist es das Wort an sich, das durch eine Fetischisierung sehr stark mit Bedeutung aufgeladen wird, oftmals ist es, als ob die Session an dieser Stelle beginnt, an der ich Deine Sprache benutze und damit zwischen uns beiden eine kleine Parallelwelt eröffne.

Es ist nicht nur die stimmhafte Sprache, sondern es sind auch Geräusche, die ich mache, die eine Wirkung auf den Gast haben. Dabei stelle ich fest, dass die „echten“ Geräusche, die eher im Körper (als Bauchstimme) entstehen, oftmals effektiver sind als die Geräusche, die in der Kopfstimme oder hoch oben im Hals erzeugt werden. Man kann die Stimme dann auch durch den Körper fließen lassen. Ein Beispiel, in der Vergangenheit habe ich auch in Clubs gearbeitet, wo viel und gern und öffentlich Verkehr geschah. Die schrillen Lustschreie waren dabei eher störend und wirkten kantig, so wie auswendig gelernt. War etwas wirklich lustvoll, lag die Stimme mehrere Oktaven tiefer. In der Sprecherziehung oder beim Gesangsunterricht wird auch gelehrt, dass die Stimme, die wir normalerweise zum Sprechen verwenden, eine andere Stimmlage ist als unsere eigentliche Stimme. Stimmen sind zivilisatorisch unterschiedlich erlernt, wer einmal in UK Frauen einer bestimmten sozialen Schicht zugehört hat, weiß, dass dort höher gesprochen wird und die Satzmelodie mit deutlich mehr Aufs und Abs gesprochen wird. Für mich hat es einen deutlichen Einfluss auf mein Alter Ego, wenn die Sessionsprache Englisch oder gar Spanisch ist. Meine Stimmlage ist dann eine andere. Meine Stimmung ist anders, ich bin auf Englisch deutlich eher zu emotionalen Äußerungen bereit als auf Spanisch oder gar Deutsch. Dafür ist meine Sprache auf Deutsch viel rationaler und reduzierter. Auf Spanisch ist sie tiefer und erdiger.

Es ist ein Werkzeug für mich, meine Stimme unterschiedlich zu nutzen. Manchmal spreche ich in einer dominanten Session 1–2 Oktaven tiefer und deutlich mehr in Resonanz mit meinem Bauch und Unterleib. Bei den wenigen passiven Sessions, die ich für ausgewählte Gäste anbiete, ist es anders. Da lote ich gern auch die Höhen und die aspirierten Stimmlagen (Vokale mit Atem) aus.

Gefällt mir ein Wort oder eine Stimme gut, probiere ich für mich aus, wie es sich anfühlt so zu sprechen. Manchmal bringt mich das auf neue und spannende Ideen. Im Dirty Talk versuche ich nicht nur die rauchigen, gehauchten Stimmen zu verwenden, sondern auch mal klirrende, harte Stimmen. Ich mag dann Worte mit vielen Konsonanten und Klicklauten. Ich mag es mal zu zischen, oder zu brummen, oder auch mal die Stimme zu erheben. Es ist sehr wohltuend, mal den ganzen Körper mit seiner Stimme zu füllen.

Ich mag differenzierte Sprache, wenn man der Stimme am Timbre eine leichte Ironie und eine tiefverwurzelte Intensität anhört. Ich habe es noch nicht probiert, aber ich glaube, dass nicht nur ich Menschen mit meiner Stimme (und dem, was ich sage) zum Höhepunkt bringen kann, sondern auch umgekehrt.

Deswegen kann ich den Satz „Ich höre Stimmen!“ für mich sehr gelassen, und entspannt und auch ein bisschen erregt aussprechen.

Stutenbissigkeit versus Kollegialität

 


 

Der schmale Grat zwischen Netzwerk und Nervkrieg

Als Sexarbeiterin arbeitet man zumeist selbständig, ist eigenverantwortlich und autark. Das übt große Attraktivität auf mich aus, denn ich würde meine Handlungsfähigkeit und meine Freiheit als das höchste Gut in meinem Leben beschreiben. Engen mich Dinge oder Umstände ein, überlege ich sehr genau, ob es mir das wert ist, mich einschränken zu lassen. Ich mag es nicht, gegängelt zu werden, Intrigen sind mir zuwider und diese wohlmeinende Pseudofreundlichkeit à la „ich gebe Dir mal einen guten Rat“ verbuche ich in den allermeisten Fällen und zu Recht unter einem sehr grundsätzlichen Zitat: Ratschläge sind auch Schläge!

Dennoch genieße ich Kollegialität, Austausch und Loyalität. In vollen Zügen. Denn es kann sehr inspirierend sein. So kann man in der gemeinsamsten aller Sachen:

der Sexarbeit Respekt und ihre ihr zustehende Akzeptanz zu verleihen

sowie

gegen Stigma und Engstirnigkeit anzugehen

auf mich zählen.

Auf Zickenkrieg und Lotterleben in Studios verzichte ich allerdings gern. Ich bin zum Beispiel nicht dabei, wenn man sich am Abend noch schnell den notwendigen Pegel von was-auch-immer anzüchten muss und dabei über Gäste ablästert. Ich finde es zum Kotzen, wenn ich mitbekomme, wie Kolleg*Innen übereinander herziehen. Hey, wir sind nicht alle beste Freunde, und auch ich habe Vorbehalte oder Bedenken manch einer Gestalt gegenüber, die die SM-Szene dieses Landes so bevölkert. Muss ich das dann vor mit hertragen, wen interessiert das denn? Keine Frage, ich kann es gar nicht vermeiden, mir eine Meinung zu bilden, aber es ist meine und die darf ich behalten. Für mich.

An die Studiobetreiber landauf / landab: Ich bin oft total baff und beeindruckt, was für tolle Orte ihr entstehen lasst, wieviel Herzblut und Kreativität in Eure Räume fließen und was für ein hohes Maß an Organisation ihr vorhaltet, damit Leute bei Euch gern einmieten. Danke dafür. Aber ich bin nicht Euer Punchingball, sondern eine sehr gute Kundin, die auch woanders ihr Geld verdienen kann. Und ich mag es, wenn ich merke, dass das Ambiente gepflegt wird, die Chefetage vorlebt, dass man gut und wertschätzend miteinander umgehen kann, und es die Bereitschaft gibt, Ideen umzusetzen, wie Workshops, Parties, Vereine, politische Arbeit.

Ein gutes Miteinander braucht Toleranz und etwas Engagement von beiden Seiten. Vielleicht gefällt es mir nicht, wenn ich der Kollegin hinterher räumen muss, oder im Chaos des Aufenthaltsraumes meine eigenen Schuhe nicht mehr wiederfinde. Vielleicht stört es sie, dass wenn ich Dirty Games mache, eine gewisse Geruchsentwicklung unausweichlich ist. Toll, wenn wir in solchen Situationen es schaffen, mal drüber hinweg zu sehen, oder das Wort direkt an den- oder diejenige zu richten, oder wertschätzend auf Distanz zu bleiben. Toll ist es auch, wenn wir im Falle eines offenen Worts einen Moment abpassen, in dem es nicht eine Session stört oder jemanden in arge Bedrängnis bringt. Toll auch, wenn ich bevor ich meinen Mund aufsperre mal kurz in Rapport mit mir selbst gehe: bin ich gerade ungehalten oder möchte ich eine Lösung konstruktiv ermöglichen? Man sollte sich zurückhalten, wenn die eigene Laune gerade angefressen ist. Man kann sowas auch mit ein bisschen Distanz klären.
An die Kolleg*Innen: Ich kenne viele tolle Menschen in der Sexarbeit. Manche berühren mich so stark, dass ich sogar einen Gast mit ihnen teile, oder gemeinsame Specials anbiete. Das inspiriert mich ungemein. Es ist die Neugier darauf und das Wissen, dass es aufregende Dynamik geben kann, und es ist der Mut, es zu versuchen, obwohl man ja eigentlich Einzelkämpfer*In ist und bleiben will. Ich brauche für sowas keine Kuschelatmosphäre, sondern eher Vertrauen und gute Kommunikationsstrukturen. Ich werbe keine Gäste ab, nicht bewusst. Wir sind alle so vielfältig, dass es absurd ist, sich gegenseitig zu boykottieren. Ich lerne gern dazu und teile auch gern mein Wissen und meine Erfahrung. Gäste schätzen es sehr, wenn ich jemand empfehle, oder auch mal sage, dass ich eine Praktik nicht anbiete oder mich da zu wenig auskenne.

Die andere Seite ist, dass ich immer wieder die Erfahrung mache, dass in Studios Rücksichtnahme ein absolutes Fremdwort ist. Die Raucher kümmern sich einen Dreck darum, dass es für die Nichtraucher unangenehm bis unaushaltbar ist, wenn nicht gelüftet wird oder in dem Raum auch geschlafen wird. Sage ich, dass es auch andere Arten gibt mit diesem leidigen Thema umzugehen, wird mir eröffnet, dass das nicht stimmt. Überall wo *sie* arbeiten ist das *so*. Ich mag es auch nicht um die Essensreste meiner geschätzten Kollegen herumzuschippern, wenn mein Gast ein Glas zu trinken im Vorgespräch wünscht. Ich beteilige mich gern an Aufgaben, wie Ordnung in gemeinsam genutzten Bereichen einhalten, oder die Waschmaschine mit meiner Dreckswäsche beladen. Handtücher falten, Kloputzen, alles was so anfällt. Mannomann, das alles sollten wir uns doch wert sein. Wie kann ich einen Service anbieten, für die der Gast zwischen 200 und 250€ pro Stunde auf den Tisch legt, und darf mich nicht trauen genauer in die Ecken zu schauen, oder finde keinen Putzlappen mehr, mit dem ich hinter mir saubermachen kann?

Ja, es stimmt, manchmal spuckt man mir verbal in die Suppe, und es entsteht ein furchtbar unangenehmes Klima. Manchmal grassiert hinter dem Vorhang der Session unter Kollegen Verrohung, Verwahrlosung und eine geradezu grenzenlose Vanitas, wie High Class und gebucht sie sind. Wie viele Anrufe in Abwesenheit sie hatten, wie nervig ihr Klingelton scheppern kann, wenn sie im Termin sind, und wie sehr sie sich vor anderen Kolleginnen ekeln, oder kolportieren, ihr Gast hätte ihnen da was gesteckt.

Genug, mein Vorschlag wäre: Psychohygiene an sich selbst üben. Lebe ich nur noch im Studio, oder habe ich auch noch ein Leben sonst? Wie sieht es eigentlich mit meinen Beziehungen zu anderen Menschen aus? Was ist mir wichtig, was freut mich, was inspiriert mich? Sexarbeit ist Arbeit, deswegen funktionieren diese Strategien wie Work-Life-Balance und Abgrenzen auch in unserem Arbeitsalltag.

Und wenn das alles nicht hilft, steht am Ende die Frage: Muss ich mir ein anderes Studio mit andere Bedingungen suchen?

Wir sind alle schon groß – wenn wir nur manchmal an unser eigenes Ego heranwüchsen, und erwachsen mit uns und unserem Umfeld umgehen würden, dann kann ich mich klar PRO Netzwerk und klar KONTRA Nervkrieg entscheiden.