BDSM und Coaching

Coaching, Beratung und BDSM

Was kann psychologische Sexualberatung leisten und wann sollte man besser eine Session buchen?

 

Immer wieder treffe ich Kolleginnen und Kollegen, die Weiterbildungen in einem beratenden Beruf (Sozialarbeit zum Beispiel, oder Heilpraktiker) absolviert haben. Sie sagen von sich, diese Weiterbildungen unterstützen sie in ihrem Beruf als SexworkerIn und sie spüren Berührungspunkte zwischen beiden Themen.

Ich selbst bin zertifizierter Coach, tiergestützte Therapeutin und Bizarrlady.

Ganz oft haben meine Mails und Gespräche mit Gästen (für Sessions) oder Klienten (also im Coachingkontext) Überschneidungen und Schnittmengen. Manchmal spüre ich auch am Ende einer Session, das beim Gast ein großes Thema innerhalb seiner Persönlichkeit angestoßen wurde, manchmal stellt sich mir die Frage: wäre es nicht toll, damit ein bisschen weiter zu arbeiten, so dass sich das Thema aus der sexuellen Ebene in eine eher allgemeine Ebene seiner Persönlichkeit übertragen ließe?

(Wer ein bisschen mehr darüber wissen möchte, wie ich selbst auf dieses Thema gekommen bin, kann gern hier weiterlesen: http://studioluxberlin.de/cms/mademoiselle-ruby.html)

Die Grenzen sind, wie so oft fließend. Beides, sowohl Session als Coaching, setzen Akzeptanz und Wertschätzung voraus. In beiden Situationen stelle ich meine persönlichen Präferenzen hinter denen des Kunden zurück, klar, ich biete an, was ich kann und möchte, aber in erster Linie geht es darum, dass wir möglichst nah an das Szenario oder das Ziel des Kunden herankommen.

Es gibt für mich einen ganz deutlichen Unterschied zwischen einer geglückten Session und einem wohltuenden Coaching. Die Session ist Selbstzweck. Meist geht es um Genuss und das Gefühl im eigenen Fokus zu stehen, man nimmt sich Zeit und Geld für sich selbst und sucht und findet ein Ventil für seine Lust.

Das Ziel eines Coachings geht über den Moment und meist auch über den Lebensbereich der Sexualität hinaus. Vielleicht gibt es einen großen Leidensdruck, der mit dem Wunsch eine Lösung zu finden, einhergeht oder eine große Veränderung in seinem Leben vorzunehmen. Manchmal ist es der Wunsch, mehr zu sich selbst stehen zu können, manchmal, besser klarzukommen mit dem, was das Leben so für einen bereithält. Grundsätzliche Fragen, wie der Sinn einer Beziehung, die Chance einer beruflichen Veränderung oder der Tod eines nahestehenden Menschen, könnte eine Situation sein, in der ein Coaching besser oder weiter hilft als eine gute Session. Manchmal geht es auch darum, ob sich der Klient zugestehen darf, eine bestimmte, vielleicht extreme Vorliebe zu haben, und ob und wie sich das in sein Leben einfügen kann. Da kann ich sanft aber konsequent Fragen stellen und dabei helfen, Lösungen auf den Weg zu bringen. Unkonventionell denken, zugewandt zuhören und weiterführende Fragen gemeinsam mit dem Klienten beantworten.

In einer guten Session gestalte ich einen besonderen Moment, der im Hier und Jetzt ist. Seine Strahlkraft über die festgelegte Zeit und den definierten Ort kann und möchte ich nicht beeinflussen, denn das liegt beim Gast und ich hoffe und tue alles dafür, dass dieser Moment gut ist und ihn hoffentlich lange trägt. Ein Leben verändern tut eine Session nicht. Ein Leben verändert auch ein Coach nicht, das tut der Klient selbst!

 

Windeln, Gummihosen, Ageplay: Ist das nicht lächerlich?!

Ein Plädoyer für die Absurdität

 

Kaum ein Fetisch ist derart mit Peinlichkeit und Absurdität belegt wie dieser… Babyplay, Adult Baby, Diaper Lover, Windelfetisch oder schlicht der Wunsch wieder klein zu sein. Gleich nach Kaviar steht diese Spielart gern auf den No-Go-Listen vieler Professioneller in der käuflichen BSDM-Welt. Ich biete diese Szenarien an, und werde immer wieder gefragt:

Was ist denn nun der Reiz daran?

Das kann sehr unterschiedlich sein, je nach Ausprägung, genauso wie bei anderen Vorlieben und Neigungen auch. Der eine liebt das Gefühl dick in ein Windelpaket eingepackt zu werden, der andere sucht nach der Demütigung des verwehrten Toilettenganges, und die Aufgabe ganz grundsätzlicher Körperkontrolle. Ein anderer möchte die bedingungslose Geborgenheit der Sitterin spüren, manchmal geht es da um eine strenge, aber nahbare Mutterfigur, manchmal um eine Gestalt, die in eine nur wenig ältere Rolle schlüpft, und ein absolut nicht altersgemäßes Verhalten von dem Zögling fordert, zum Beispiel, sich windeln zu lassen, oder Gummihosen zu tragen. Mir gefällt besonders daran, dass es mit dem Verlust der (erwachsenen) Würde einhergeht, und eine unheimliche Verwandlung mit dem passiven vor sich geht, der fast komplett aus dem Raum-Zeit-Kontinuum des Alltags herauskatapultiert und vollkommen absurde, aber sehr lustvolle Momente entstehen lässt.

Ageplay kann D/s-Komponenten enthalten, es kann um Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen gehen, und um Scham. Oft ist es Crossover. Ich zum Beispiel schlüpfe fast nie in die rein mütterliche Rolle, sondern bin sowas wie eine schwarze, gemeine Gouvernante oder Tante, die zugleich von einer äußerst sexy Ausstrahlung umgeben ist. Wie unerreichbar für mein Opfer in Windeln und/oder Gummihosen, mit dem ich nun mein böses und frivoles Spiel treibe.

In Beziehungen ansprechbar ist dieses Thema, wie viele ausgemachte Fetische, nur selten. Die Fixierung und der Lustgewinn aus dem Spiel drängt aber nach Umsetzung, so berichten viele Diaper Lover, dass sie in Ermangelung eines Partners ihrem Fetisch allein nachgehen und eben Windeln tragen, wenn es in ihr Leben passt. Ein passendes Gegenüber zu finden ist oft fast unmöglich.

Wieso kann man das so gut im Studio umsetzen?

In einem SM-Studio wie dem LUX schaffen wir einen geschützten Rahmen und größtmögliche Diskretion. Gesellschaftliche Konventionen sollten hier in Bezug auf die Fantasie, die Neigung oder den Fetisch möglichst keine Rolle spielen. Der professionelle Spielpartner kann mit der angefragten Spielvariation AdultBaby/AdultChild/DiaperLover gut umgehen und hat Ideen, wie er das kreativ umsetzen kann. Es gibt keine partnerschaftliche Beziehung, in der Begriffe, wie Respekt und Wertschätzung, Kinder oder deren Erziehung und die Erwartungen an den gesellschaftsfähigen Partner immer auch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Es gibt stattdessen ein Zeitfenster, Kommunikation und Kreativität, die auf die Umsetzung auch der absurdesten Variation vom Kleinsein verwandt wird. Spott oder Gesichtsverslust kommt hier nur vor, wenn er in der Fantasie des Gastes eine Rolle spielt. Ansonsten herrscht hier im Rahmen des Angebotes der Mietenden im LUX Toleranz und Akzeptanz – eben auch für diese absurde“ kleine“ Perversion.